Während meines einwöchigen Aufenthalts im Mai in Rouen war natürlich klar: Die Kamera bleibt nicht im Rucksack liegen. Frankreich bietet schließlich unzählige Motive – und als Fotograf muss man solche Gelegenheiten einfach nutzen. Also wurden Akkus geladen, Speicherkarten kontrolliert und die Kamera eingepackt. Man weiß ja nie, wann das nächste Motiv um die Ecke kommt. Mein Ziel an diesem Tag war das Schloss von Saint-Pierre-de-Varengeville, etwa 20 Minuten von Rouen entfernt. Dort befindet sich das Centre d’art contemporain de la Matmut – Daniel Havis, das jedes Jahr mehrere Ausstellungen national und international bekannter Künstlerinnen und Künstler zeigt. Neben der Kunst erwarteten mich außerdem das historische Schloss und die weitläufigen Gärten – also eigentlich ein perfekter Fototag.

Schon beim ersten Anblick des Schlosses war ich beeindruckt. Die historische Architektur, die ruhige Lage und die besondere Atmosphäre dieses Ortes machten sofort Lust darauf, die Kamera auszupacken. Aber bevor es auf Motivsuche im Garten ging, stand erst einmal die Ausstellung auf dem Programm.

Moderne Kunst trifft auf historische Mauern
Im Centre d’art contemporain de la Matmut – Daniel Havis wurde zu dieser Zeit die Ausstellung „Bina Baitel – Art & Design“ gezeigt. Für mich war das besonders spannend, denn hier ging es nicht um klassische Gemälde, die einfach an der Wand hängen und darauf warten, betrachtet zu werden. Stattdessen erwartete mich eine Mischung aus Design, Kunst und Architektur.

Die französische Designerin Bina Baitel verwandelt alltägliche Dinge in außergewöhnliche Objekte. Möbel, Leuchten, Spiegel und Installationen wirken auf den ersten Blick vertraut – und überraschen dann doch mit ungewöhnlichen Formen, Materialien und Ideen.
Beim Rundgang durch die Räume musste ich feststellen: Manchmal schaut man auf ein Objekt und denkt zuerst: „Was ist das denn?“ Genau das macht den Reiz dieser Ausstellung aus. Die Werke wollen nicht einfach nur angesehen werden, sie wollen entdeckt werden. Licht, Perspektive und Raum spielen eine wichtige Rolle und verändern immer wieder den eigenen Blick auf die Dinge.

Für einen Fotografen ist so eine Ausstellung natürlich ein kleines Paradies. Überall finden sich interessante Formen, spannende Details und besondere Lichtstimmungen. Dazu kommt der Kontrast zwischen den modernen Designobjekten und den historischen Räumen des Schlosses – eine Kombination, die viele außergewöhnliche Motive bietet.
Nach dem Rundgang durch die Ausstellung war mein fotografischer Speichertrieb natürlich geweckt. Die Kamera hatte bis dahin noch Pause gehabt, aber jetzt ging es endlich richtig los.

Mit der Kamera durch die Gärten

Nach so viel moderner Kunst ging es hinaus in die Gartenanlage rund um das Schloss. Und hier wartete die nächste Überraschung. Die weitläufigen Gärten mit alten Bäumen, Skulpturen, kunstvoll angelegten Wegen und ruhigen Ecken luden geradezu dazu ein, auf Motivsuche zu gehen.

Eigentlich wollte ich nur „ein paar Fotos machen“. Jeder Fotograf kennt diesen Satz – und jeder weiß, dass daraus meistens etwas anderes wird. Aus ein paar Fotos werden schnell viele Fotos, weil hinter jeder Ecke das nächste interessante Motiv wartet.

Mal war es ein Detail einer Skulptur, mal ein schöner Blick auf das Schloss, mal ein verwunschener Weg zwischen den Bäumen. Die Gartenanlage bot eine perfekte Mischung aus Natur, Architektur und Kunst. Genau diese Kombination macht den Ort so besonders.

Auch das Wetter spielte an diesem Tag überraschend gut mit. Der Blick zum Himmel sorgte zwar immer wieder für einen kleinen Zweifel: „Kommt da gleich der große Regen?“ Die Wolken sahen teilweise ziemlich verdächtig aus. Aber zum Glück blieb es bei der Drohung von oben – meine Kamera und ich kamen trocken davon.

Mein Fazit
Der Besuch im Schloss von Saint-Pierre-de-Varengeville war für mich ein richtig schöner Tag zwischen Kunst und Natur. Die Ausstellung „Bina Baitel – Art & Design“ war spannend und anders als viele klassische Ausstellungen. Besonders die Verbindung von modernem Design mit den historischen Räumen des Schlosses hat mir sehr gefallen.

Aber auch die Gärten haben mich begeistert. Sie sind nicht einfach nur eine schöne Umgebung für das Schloss, sondern selbst ein Teil des gesamten Erlebnisses. Für Fotografen gibt es hier unzählige Möglichkeiten, Motive zu entdecken.

Am Ende musste ich feststellen: Die Zeit war viel zu schnell vorbei. Eigentlich hätte ich noch länger bleiben können – aber das ist wohl das typische Fotografenproblem. Man fährt zu einem Ort, macht viele Bilder und stellt später fest: „Da hätte ich eigentlich noch viel mehr Zeit gebraucht.“

Sollte ich in ein paar Jahren wieder in der Gegend sein, steht ein erneuter Besuch ganz oben auf meiner Liste. Dann vielleicht mit noch mehr Akkus – sicher ist sicher. Denn dieser Ort hat definitiv mehr als nur einen Fotospaziergang verdient.
